Seit Lifestyle-Blogs, YouTube und Instagram die Social-Media-Bühne betreten haben, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Influencer sind die neuen Tonangeber, die einem Unternehmen, einer Marke oder einem Produkt zu Ruhm verhelfen oder es unter Umständen sogar zerstören können. Doch wer sind diese Menschen, die unter dem Begriff „Influencer“ von Millionen von Usern verfolgt, geliebt und heroisiert werden? Und was versteckt sich überhaupt hinter dem Modebegriff?

Im Kulturprozess ist der Beeinflusser derjenige, der etwas Außergewöhnliches leistet und viele Anhänger findet, sodass die Arbeit und das Wesen desjenigen zu kulturellem Einfluss gelangt. Eine Einflussnahme auf das Denken einer gesamten Kulturgemeinde hatten zum Beispiel die Beatles, William Shakespeare, Coco Chanel oder auch Mark Zuckerberg. Sie alle eint, dass sie ganze Generationen in ihrem Denken geprägt haben. Spannend und furchterregend zugleich ist, zu beobachten, wie Influencer mit dieser Macht umgehen.

Wer bestimmt, wem wir folgen?

Die Masse macht den Erfolg. Denn letztendlich entscheidet die Mehrheit, wem Interesse geschenkt wird und wem nicht. Influencer inspirieren Ihre Fans bei der Geschmacksbildung (Modeblogger), Motivationssteigerung (Fitnessblogger), aber vor allem hinsichtlich der Einflussnahme auf Kaufentscheidungen. Das beginnt bei der Auswahl des Supermarktes, über die Wahl des Friseurs, bis hin zur Urlaubsbuchung. Wenn eine österreichische Bloggerin wie Anna-Laura Kummer in einem Beitrag auf ihrem Blog in eine BILLA-Birne beißt, so kann sich BILLA sicher sein, dass sich der Birnenkauf bei der Altersgruppe der 15 bis 25-Jährigen in den nächsten Tagen merkbar steigt. Wenn Chiara Ferragni ihre Chanel-Handtasche herzt, können sich Coco`s Nachfahren schon einmal die Hände reiben. Und wenn Gronkh alias Erik Range, neue Computerspiele spielt und diese gleichzeitig auf YouTube kommentiert, so lacht sich die Elektronikbranche ins Fäustchen.

Friday 😊

Ein Beitrag geteilt von Chiara Ferragni (@chiaraferragni) am

Auf der einen Seite stehen in diesem Kommunikationsmodell also die Beeinflusser und auf der anderen die Fans, die Follower. Diese sind letztendlich die Kunden, die bereitwillig den Aussagen ihrer Idole Glauben schenken und Handeln und Wandeln wie es der Influencer vorzeigt. Dabei ist es vielen Bloggern fast unangenehm, auf ihre Tätigkeit als Markenbotschafter angesprochen zu werden. Im Jahr 2017 wird der Begriff „Influencer Marketing“ fast schon mehr als Beschimpfung wahrgenommen, obwohl die Unterschiede zur klassischen Testimonial-Werbung nicht sonderlich groß sind.

Das gefundene Fressen

Was im zwanzigsten Jahrhundert berühmte Musiker und Filmstars geschafft haben, nämlich ganze Generationen mit ihrem Lebensstil zu beeinflussen, das machen heute die Social Media Stars. Kein Wunder also, dass sich Unternehmen auf die neuen Medien-Rockstars stürzen und jene mit Millionen-Verträgen zu ihren Testimonials küren. Wie mit keinem Testimonial zuvor, bekommen die Unternehmen hier ein direktes Feedback zu ihrer Marke und ihrem Produkt. In Sekundenschnelle wird mit einem Like oder Dislike über Leben und Tod einer Innovation entschieden.

Wer die Influencer belächeln will und meint, dies seien nur junge Leute, die ihre Outfits und Reiseerlebnisse posten, der soll eines anderen belehrt werden. Influencer sind nämlich durchaus ernstzunehmende Medienstars, erreichen sie doch mit ihrer Tätigkeit eine globale Reichweite mit Millionen Followern. Grund genug, die Bezeichnung „Blogger“ mittlerweile zum etablierten und oft angestrebten Beruf zu machen. Die Macht der Social Media Influencer bzw. Digital Entrepreneurs ist fast erschreckend, denn ihre Reichweite reicht um die ganze Welt und auf alle mobilen Endgeräte. Social Media Postings der medialen Stars erreichen in Sekundenschnelle und zeitgleich die sozialen Plattformen der User in Europa, Amerika, Asien, Afrika und Australien. Grund genug, dass sich die Werbebranche dieses enorme Potenzial zu eigen macht und ihre Produkte und Dienstleistungen über diesen Weg vermarkten will.

Warum auch nicht? Als Werbeplattform für eine Marke oder ein Produkt, ist es Unternehmen durchaus zu raten, sich auf die Suche nach „seinem“ Influencer zu machen, welcher die Firma am besten repräsentieren könnte. Gelingt „the perfect Match“ zwischen Influencer, Unternehmen und Platform (Facebook, Twitter, Instagram, YouTube etc.), so kann sich das Ergebnis sofort im Konsumverhalten angesprochenen Altersgruppe und in den Verkaufszahlen widerspiegeln.

 

Das Leben der Anderen

Wundern kann es niemanden, dass die Leben der Social Media Stars mit Leidenschaft verfolgt werden, denn sie erscheinen wie ein nie enden wollendes Spektakel aus Yoga-Retreats, Shopping-Trips und Restaurantbesuchen. Die Leben von Ferragni, Daria Daria und Co. dienen vielen von uns auch als kurze Flucht vor der Wirklichkeit. Oder warum sonst, sieht man tagtäglich junge Männer und Frauen wie manisch durch die perfekt retuschierten Bilder der Blogger und ihren idyllischen Leben swipen? Die unstillbare Neugier der Menschen gepaart mit Realitätsflucht – die Mischung mach die Faszination von uns Ottonormalverbrauchern aus.

Fernab vom Photoshop perfektionierten Bild, stehen besagte Stars des 21. Jahrhunderts vor ihren Devices und kämpfen täglich und im Minutentakt um die Anerkennung der kommerziellen Medienwelt. Jedes Like verspricht ihnen weiterhin ein Leben im virtuellen Rampenlicht, jedes Dislike könnte sie einen Sponsor kosten. Es ist ein knallhartes Geschäft um die Gunst und Anerkennung der Menschen vor den Devices.

Was bleibt ist ein Business, das von außen zwar wirken mag wie die perfekte, utopische Welt, jedoch ein knallharter Beruf ist – inklusive Überstunden, Erfolgsdruck und dem Bangen, die Community langfristig an sich binden zu können. Im Kern hat sich vermutlich nur das Medium verändert, die Freude am vermeintlichen Stardom der anderen bleibt.  Nur haben wir heute eben eine Dagi Bee anstelle von John Lennon, Nirvana oder den Spice Girls. Zu jeder Zeit gab es Menschen, die den Lebensstil ihrer Ikonen versucht haben nachzuahmen. Der Unterschied zur heutiger Zeit ist lediglich dieser: Die Influencer entführen ihre Follower in eine erreichbare Zauberwelt, in der das perfekte Leben nur einen einzigen Mausklick oder Swipe entfernt erscheint.

Ich muss das Leben meiner angebeteten Influencer einfach nur nachmachen, pardon, nachkaufen.