Langsamer wird`s nicht – von der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz, der Zukunft des Transports und dem Gespür für Schnee

Bereits zum elften Mal öffnete der Zürserhof am Arlberg Tür und Tor und bot gemeinsam mit der dmcgroup, Gastgeber Rudi Klausnitzer, nationalen und internationalen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren eine Plattform, um über zukunftsrelevante Themen zu diskutieren. Man sprach über schwebende Autos, Bots als Kollegen, den Hacker-Terror und das Buhlen um den Kunden der Zukunft.

Der Arlberg ruft

Wenn Medienexperte Rudi Klausnitzer und Lifestyle-Journalistin Isabella Klausnitzer auf den Arlberg laden, dann sind Multiplikatoren und Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Medien nicht weit. Bereits zum elften Mal fand am vergangenen Wochenende im märchenhaften Hotel Zürserhof inmitten der Winterlandschaft des Arlbergs der Near Future Summit 2017 statt. Die dreitägige Veranstaltung stellte sich den wegweisenden Themen der Zukunft und ließ große Namen von noch größeren Firmen zu Wort kommen. Google, Siemens, VW und REWE, diskutierten mit erfolgreichen Start-Ups und Politikern über Künstliche Intelligenz, Bots, die Zukunft des Transports, Datensicherheit und die Arbeits- und Servicewelt von morgen. Dies waren nur einige der vielen Themen, die sich um die diesjährige Veranstaltung mit dem Titel „Veränderung ist Realität im Alltag“ rankten.

Mein Name ist bot, Robot

Dass wir es in unserer alltäglichen Kommunikation schon lange mit Bots zu tun haben, ist sicherlich amüsant und erschreckend zugleich. Amüsant, wenn man auf der Suche nach Hochzeitskleidern von einer Bot-Dame höflichst darauf hingewiesen wird, dass einem die Farbe rosa nicht stehen würde und erschreckend, wenn man darüber nachdenkt das 20 Prozent der Web-Diskussionen über die US-Präsidentschaftswahl 2016 von Bots geführt worden sind. Im Alltag ist es für uns bereits ziemlich intransparent zu erkennen, ob wir nun gerade mit einem Bot oder einem lebenden Menschen kommunizieren. Immerhin scheint uns der Bot in vielerlei Fragen der Intelligenz ebenbürtig zu sein. Wie sonst könnte er die Großzahl der Artikel auf Wikipedia erstellen und sogar mit seinen Bot-Kollegen im Wettbewerb um die Mehrheit der digitalen Eintragungen stehen. Auch die Integration von Bots im Facebook Messenger ermöglicht den Unternehmen eine neue Form mit ihren Kunden schriftlich zu kommunizieren. Fragt sich wie lange dies noch auf schriftlichem Wege passiert, denn der Traum vom personalisierten Bot ist Realität und trägt einen weiblichen Namen: Amazon Alexa. „Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Echo werden zu unseren persönlichen Assistenten in jeder Lebenssituation und übernehmen Dienste, die Websites in vielen Situationen nicht bieten können. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, sie sind im Auto und ihnen fällt ein, dass sie vergessen haben Waschmittel zu kaufen. Kein Problem, denn ihr Bot wird dies anhand ihrer Spracherkennung durch die Äußerung ihres Wunsches sofort für Sie erledigen“, erklärt CTO Frédéric Feytons vom Digitalunternehmen Tapptic.

Doch die Ära der Bots fordert auch ihren Tribut; unsere Jobs. Natürlich werden Bots keine Ärzte, Nuklearphysiker oder Kindergärtner – noch nicht – aber Support-Hotlines und andere Formen des Kundenkontakts, könnten im Zweifelsfall von Bots übernommen werden. Wer es jetzt mit der Angst zu tun bekommt, den kann man beruhigen: Menschen werden somit mehr Zeit und Ressourcen für anspruchsvollere Tätigkeiten bekommen. Könnte das vielleicht das Ende der Idiocracy sein?

Von fliegenden Autos und Alleswissern

„Künstliche Intelligenz läutet ein neues Zeitalter in der Fortbewegung ein“, davon ist Volkswagen Chief Digital Officer Johann Jungwirth überzeugt. Die Veränderung der Transportindustrie wird sich in den nächsten Jahren durch selbstfahrende oder elektrisch betriebene Autos und die zunehmende Urbanisierung mit Mega-Cities stark verändern. In Zukunft können selbstfahrende Autos selbstständig am Stadtrand parken und ihren Besitzern somit mehr Platz in ihrem Lebensraum ermöglichen. „Bodenunabhängige Transportlösungen bieten ein enormes Potenzial bei der Einsparung in der Infrastruktur. So könnte beispielsweise der teure Bau von Straßen und Tunnels entfallen“, schwärmt Volocopter Founder Alexander Zosel.

Volocopter

Als weiterer positiver Punkt, wird die mobile Integration alter und behinderter Menschen genannt, die durch den Zugang zu zwei- bis dreidimensionaler Mobilität, Barrierefreiheit im weitesten Sinne erleben werden. Auch Führerscheine könnten bald der Ära der Schilling-Währung angehören, da die Lernfähigkeit der Maschinen unseren Geist schonen und ohne unser Zutun durch intelligente Problemlösungen im Straßenverkehr agieren werden. Dennis Morgenstern von Google Industry Automotive and Technology, sieht hierbei die Wichtigkeit unserer Daten als entscheidenden Faktor in der Mobilitätskonzeption. Prominentestes Beispiel für diese Art von Datengebrauch, ist wohl unser neues Lieblings-Transportunternehmen Uber. Andreas Weinberger, General Manager von Uber ergänzt, dass Uber durch das Sammeln der Daten sogenannte „Uber Pools“ konfigurieren kann und sich somit Menschen mit ähnlichen Fahrzielen zu Fahrgemeinschaften zusammenfinden können. Dies trägt sowohl zur Reduktion des Verkehrs als auch der Emission bei. Immerhin sind derzeit über zwei Milliarden Autos für 22 Prozent der Emissionen verantwortlich. Angesicht dieser Tatsache erscheint Shared Mobility als logische Konsequenz. Eine Welt voll mit geteilten selbstfahrenden Autos? 2025 könnte dies schon zur Wirklichkeit gehören! „Starke Befürworter der automatisierten Mobilität, sind Versicherungen und Gesundheitsunternehmen“, erklärt WIRED UK-Chefredakteur David Rowan. Kein Wunder, denn jährlich sterben 1, 2 Millionen Menschen im Straßenverkehr!

Gekommen, um zu bleiben?

Wenn wir früher eine nicht naheliegende Frage hatten, dann ist man in die Bibliothek gefahren oder hat sich den Brockhaus aufgeschlagen. Dies ist nun nicht mehr der Fall, denn Doktor Wikipedia erlöst uns heute in Sekundenschnelle von unserem Nicht-Wissen. Des einen Freud, ist des anderen Leid, denn so steht nun die in der Vergangenheit so erfolgreiche Printbranche durch den Alleswisser Internet vor einem Problem, bestätigt Die Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser. Er sieht die Lösung in der Fokussierung auf den Kunden. „Produkte und Services sollen rein nach den Kundenwünschen entwickelt werden, im Bestfall sollten diese sogar schon frühzeitig in den Entwicklungsprozess miteingebunden werden.“ Als Vorbild empfiehlt der Medienfachmann, das out-of-the-box Denken: „Einfach mal die Prozesse von jungen Start-ups abschauen und Risiken des Scheiterns eingehen“. Vom Design Thinking als Schlüsselwort, macht auch das 60-jährige Traditionsgetränk Almdudler Gebrauch. Trotz Absage an den digitalen Hype, kommt das österreichische Unternehmen nicht ganz ohne Digitalisierung aus. Für die neue Produktschiene „Almdudler Organic“, hat sich das Unternehmen an einem Digital-Start-up beteiligt, um einen Einblick in onlinebasierende Vertriebswege zu finden.

The Rise of the digital Empire

Kurt Hofstädter, Manager von Siemens Österreich, kann von Ressourceneffizienz ein Lied singen. Siemens investiert bereits seit zehn Jahren Milliardensummen in die digitale Industrie, um Produktentwicklungszeiten und Komplexität zu minimieren. Nach Hofstädters Schätzung, wird es in etwa 15 Jahren bei uns soweit sein, bis Fabriken gänzlich digital agieren werden. Und wie können wir das so effizient wie möglich in Österreich erreichen? „Ganz einfach“, so Experte Hofstädter, „unser Bildungssystem muss auch für Frauen noch bessere Chancen und Anreize bieten, um sich in technischen Berufen ausbilden zu lassen“. Auch BILLA-Vorstand Robert Nagele, beschäftigt sich bereits seit zehn Jahren mit der digitalen Transformation seiner Handelskette. BILLA positioniert sich dabei als digitaler Vorreiter, denn die Handelsfirma beschäftigt sich als 360-Grad-Haushaltsversorger mit den Prozessen des Data Mining, unterschiedlichen Bezahlmodellen, digitaler Kommunikation und Online-Shopping. Bei BILLA versucht man sowohl stationär als auch online auf dualem Wege den Konsumenten zu adressieren. „Dabei wird die Digitalisierung nicht zu einem Abbau, sondern eher zu zusätzlichen Stellen führen“, beruhigt Nagele die Furcht vor dem Stellenabbau durch die Digitalisierung.

„You are under Attack“

„Cyber Attack“ – zwei Wörter welche den Alptraum eines jeden Unternehmens widerspiegeln. Rund 5000 Hackerangriffe finden pro Minute weltweit statt und jedes Unternehmen könnte das Nächste sein. Kaum zu glauben im Zeitalter von Cyber Security, aber de Facto gelten nur 6,3 Prozent aller Unternehmen als sicher. 280 Milliarden US-Dollar hat die Cyberkriminalität allein im Jahr 2016 veranschlagt und der Erfolg der Cyberkriminellen geht weiter: „Im Zeitalter von selbstfahrenden Autos und kontaktlosem Bezahlen, scheinen sich die Ziele für Cyberkriminelle zu häufen“, warnt Tailored Media Group-Founder Maximillian Nimmervoll.

Online Visualisierung Cyber Attacken 1

Online Visualisierung Cyber Attacken

Österreich zeigte sich als Pionier, als bereits 1970 ein Datenschutzgesetz eingeführt wurde. Im Jahr 2018 soll die neue EU Datenschutz-Grundsatzverordnung in Kraft treten und Unternehmen verpflichtend machen, die Einhaltung der Verordnung nachzuweisen. „Dabei geht die gesamte Beweislast auf den Datenverarbeiter über“, informiert Datenschutz-Experte Gerhard Kunnert aus dem Bundeskanzleramt, „Unternehmen müssen die Angriffe binnen 72 Stunden an die Datenschutzbehörde melden, um die gesamte Bedrohungslage erfassen zu können.“ Bevor es aber zu einer solchen Attacke kommen kann, eilt N26-Founder Valentin Stalf zu Hilfe, denn Sicherheitsstrategien sind sein täglich Brot. Der Online-Banker setzt auf dynamische Cyber Security-Konzepte und beugt mit seinen Prozessen, interner Betriebsblindheit vor. Sein Geheimkonzept sind „White Head Hackers“, die die Unternehmen auf ihre Sicherheitslücken hinweisen bevor es zu einer Attacke kommen kann.

Die Vision am Berg

„Die Transformation der Digitalisierung berührt alle Facetten unseres Lebens und alle gesellschaftlichen Bereiche“, schließt Initiator Rudi Klausnitzer „sein“ The Near Future Summit-Event. Top-Entscheider aus den unterschiedlichsten Branchen diskutierten über die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen unserer Zeit und entwickelten mögliche Konzepte. Nicht immer herrschte Einigkeit, doch in einem Punkt waren sich die Damen und Herren einig: „Heute ist der langsamste Tag in ihrem zukünftigen Leben, denn Veränderung ist Realität im Alltag.“ Veränderungen werden also nie mehr so langsam passieren wie heute – in allen Entwicklungen. Wir können gespannt sein!