Wenn KI einkauft, wird Branding zur Schnittstelle zwischen Marke, Plattform und Entscheidung.

Agentic Commerce verschiebt das Online-Kauferlebnis radikal: Statt dass Menschen sich durch Shops klicken, delegieren sie Recherche, Vergleich und teilweise sogar den Checkout an KI-Agenten.

Große Player wie OpenAI oder Google bauen dafür gerade Standards und Infrastruktur auf: Google integriert Shopping- und Buy-Funktionen in Gemini und die AI Search, OpenAI experimentiert mit „Buy it in ChatGPT“, Zahlungsnetzwerke entwickeln Protokolle für verifizierte Agenten und sichere Transaktionen.

Marken werden nicht mehr nur von Menschen gewählt – sondern von autonomen Systemen empfohlen.

Diese Systeme bewerten anders als Menschen. Sie lesen keine Kampagnen, sie haben kein Bauchgefühl. Sie interpretieren Signale, die ihnen zur Verfügung stehen: Datenqualität, Konsistenz, Verlässlichkeit, Bewertungen, Verfügbarkeit, Retourenlogik, Lieferperformance – und den Markenkern als Orientierungs- und Interpretationshilfe.

Wenn wir in diesem Artikel also von Marken sprechen, meinen wir nicht nur visuelle Identität, sondern das Zusammenspiel aus Marke, Design, Systemen und Entscheidungslogik.

Ein möglicher Agentic Commerce Flow der Zukunft

In einer vollen Ausbaustufe, die derzeit technisch noch in Entwicklung ist, könnte ein KI-Agent sämtliche Schritte des Kaufprozesses abdecken („Intent-based commerce via autonomous agents“):

  1. Intent Capture: Benutzer:in formuliert Ziel, Constraints, Präferenzen, Budget, Prioritäten (z.B. „Ich brauche einen leichten Laptop unter 1200 €, gute Akkulaufzeit, Linux-kompatibel“)
  2. Agentic Discovery: KI-Agent durchsucht Online-Marktplätze, analysiert Bewertungen, gleicht Spezifikationen ab, berücksichtigt Nutzerhistorie und externe Faktoren (z.B. Lieferzeit, Garantie, Nachhaltigkeit, …)
  3. Proposal Generation: KI-Agent liefert Vorschläge, Begründungen, Trade-offs, Alternativen (z.B. „Option A hat bessere Akkulaufzeit, aber schwächere CPU. Bei Option B ist es umgekehrt.“)
  4. Interactive Refinement: Benutzer:in ändert Kriterien, Gewichtungen oder setzt neue Ziele
  5. Delegated Transaction: KI-Agent kann bestellen, buchen, bezahlen…

Der zu 100% autonome Shopping-Agent ist derzeit noch Zukunftsmusik, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis solche Systeme technisch bereit stehen.

Ob Konsumenten allerdings jemals wollen, dass Agenten vollkommen autonom für sie einkaufen, ist fraglich. Viele Kaufentscheidungen sind mit Kontrollbedürfnis, Vertrauen und persönlicher Bewertung verbunden – besonders bei höherwertigen oder Produkten mit emotionalem Bezug. Während bei Routinekäufen eine weitgehende Delegation akzeptiert werden dürfte, bleibt bei komplexeren Anschaffungen wahrscheinlich die finale Bestätigung beim Menschen. Realistischer als vollständige Autonomie ist daher ein abgestuftes Delegationsmodell: Der Agent bereitet vor und empfiehlt, der Konsument trifft die letzte Entscheidung.

“Im Zeitalter autonomer Kaufentscheidungen gewinnt nicht die lauteste Marke – sondern die, die klar definiert, konsistent gestaltet und vertrauenswürdig verankert ist.”

Dirk Thieme, Geschäftsführer dmcgroup

Was Agentic Commerce für Design & Branding verändert

1. Marken müssen maschinenlesbar werden – ohne an Attraktivität für Menschen einzubüßen

KI-Agenten benötigen klar definierte, strukturierte Marken- und Produkteigenschaften: konsistente Benennung, eindeutige Bedeutungen, saubere Informationsarchitektur und maschineninterpretierbare Produktdaten. Marke wird damit stärker zu einem regelbasierten Bedeutungs- und Wissenssystem im Hintergrund – zusätzlich zum visuellen Erscheinungsbild.

Damit Agenten Marken korrekt berücksichtigen können, brauchen sie eindeutig definierte Leistungsversprechen, Produktmerkmale, Qualitätskriterien und Positionierungsattribute in strukturierter Form – nicht nur als Marketingaussage, sondern als interpretierbare Datenbasis für Auswahl- und Entscheidungslogik.

2. Brand Trust wird zur Währung im „KI-Checkout“

Viele Menschen stehen delegierten Kaufentscheidungen noch skeptisch gegenüber – besonders wenn es um Zahlung, Haftung und Kontrolle geht. Der zentrale Engpass ist Vertrauen.

In agentischen Kaufprozessen entsteht dieses Vertrauen jedoch weniger durch klassische Interaktion mit Brand oder dem User Interface, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungslogik, transparente Kriterien, verlässliche Datenquellen und klar definierte Verantwortlichkeiten.

Marken wirken hier als geprüfte Vertrauensanker im Hintergrund: durch belastbare Policies, Garantien, Reputation und konsistente Leistungsversprechen. Je stärker Kaufentscheidungen delegiert werden, desto wichtiger wird die Marke als verlässlicher Systemakteur – nicht nur als sichtbarer Absender. Starke Marken transportieren Vertrauen, auch wenn sie gerade nicht direkt sichtbar sind.

Gerade wenn der Kaufprozess verkürzt oder delegiert wird, wird die Marke zum Stellvertreter für Sicherheit und Verlässlichkeit.
Vertrauensbildendes Markenbild wird wichtiger denn je.

3. Die Brand Experience verlagert sich: weniger Klicks, mehr Entscheidungsmomente

Mit zunehmenden Zero-Click-Momenten – also Kaufentscheidungen ohne klassischen Shopkontakt – verschiebt sich die Experience an einen neuen Punkt: den Moment, in dem eine KI eine Marke empfiehlt oder priorisiert.

Händler bereiten sich bereits darauf vor, wie sie in KI-Interfaces auffindbar, verständlich und wählbar bleiben. Für Markenführung heißt das: Recommendation-Readiness wird Teil der Brand Experience.

Konkret bedeutet das:

  • ein klarer Markenkern,
  • Saubere, konsistente Signale über Plattformen hinweg,
  • Maschinenlesbare Produkt- und Markeninformationen, die von Agenten korrekt „weitererzählt“ werden können.

4. Design zählt – und muss über den sichtbaren Bereich hinaus wirken

Im Agentic Commerce optimieren Agenten vernünftig: Preis, Verfügbarkeit, Zustellung. Genau deshalb braucht es eins mehr denn je: Begehren.

Hier ändert sich für gutes Design erstaunlich wenig. Typografie, Komposition, Bildwelt, Materialität, Motion, Tonalität – das gestalterische Handwerk bleibt zentral. Aber seine Wirkung verlagert sich.

Design wird im Shopping-Prozess unsichtbarer. Und genau deshalb braucht es starke Marken, die auch dann strahlen, wenn sie nicht mehr visuell präsent sind – sondern nur genannt, empfohlen oder erinnert werden.

Eine klar gestaltete Marke wirkt nicht nur auf Screens, sondern im Kopf: als Haltung, als Versprechen, als Gefühl von Qualität. Diese emotionale Aufladung entscheidet, welche Marke aus einem rational optimierten Option-Set zur bevorzugten Wahl wird.

Themenbild Agentic Commerce: Ein Graustufenbild eines Einkaufswagens, überlagert von farbigen digitalen Effekten und Augmented Reality UI-Panelen

Was dmcgroup für Ihre Marke tun kann

Wir entwickeln Brand Identities, Corporate Design und digitale Experiences so, dass Marken für Menschen begehrlich bleiben – und für KI-Agenten eindeutig, konsistent und vertrauenswürdig sind.

Denn im Agentic Commerce gewinnt nicht die lauteste Marke, sondern die klarste.
Und langfristig die, die klassische Markenwirkung mit Systematik und Konsistenz im Hintergrund verbindet.

Die Frage ist nicht, ob KI mitentscheidet – sondern ob Ihre Marke dafür vorbereitet ist. Machen Sie jetzt den kostenlosen AI Visibility Check!

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